Montag, 26. September 2016

Am Rande der Nacht

Meine Stube und diese Weite, 
wach über nachbetendem Land, - 
ist Eines. Ich bin eine Saite, 
über rauschende breite
Resonanzen gespannt.

Die Dinge sind Geigenleiber, 
von murrendem Dunkel voll; 
drin träumt das Weinen der Weiber, 
drin rührt sich im Schlafe der Groll 
ganzer Geschlechter..... 
Ich soll 
silbern erzittern: dann wird 
Alles unter mir leben, 
und was in den Dingen irrt, 
wird nach dem Lichte streben, 
das von meinem tanzenden Tone, 
um welchen der Himmel wellt, 
durch schmale, schmachtende Spalten 
in die alten 
Abgründe ohne 
Ende fällt...

(Rainer Maria Rilke, 12.01.1900)

Sonntag, 25. September 2016

Beim FC Augsburg

Zugegeben, der FC Augsburg ist nicht jedermanns Freund, nicht in Schwaben und auch nicht in Augsburg und seiner Region. Wer jedoch die Gelegenheit hat, eine Einladung in Form einer unverkäuflichen Ehrenkarte zu erhalten, sollte diese auch wahrnehmen. 
Von 1969 bis 2009 trug der Verein seine Spiele im Rosenaustadion aus. Vorher gab es ihn noch nicht. Nach einer jahrelangen Projekt- und Bauphase fand am 26. Juli 2009 im Rahmen der Stadioneröffnung das erste Spiel in der neuen Arena statt. Es war eine Begegnung zwischen dem FC Augsburg und einer Schwabenauswahl. Mittlerweile gab es dort schon jede Menge Fußballmatches, darunter Bundesligabegegnungen, Pokal-, Supercup- und Länderspiele sowie Aufeinandertraffen im Rahmen der Euro League. In seiner doch noch recht jungen Geschichte trug das im Süden Augsburgs liegende Bauwerk bereits mehrere Namen: Augsburg Arena, Impuls Arena, SGL Arena und ab der vergangenen Saison WWK Arena. Das Gebäude ist immer noch nicht ganz fertiggestellt und ähnelt von außen gesehen einem Rohbau. Die Verkleidung soll im kommenden Jahr nun endlich angebracht werden.
Kaum zu glauben, aber wahr: Die Arena ist das erste klimaneutrale Fußballstadion der Welt. Erreicht wurde die Klimaneutralität durch ökologische Wärmepumpen und sechs je 40 Meter tiefe Brunnen, die über Wärmetauscher die gewünschte Temperatur erzeugen. Ein Bioerdgas-Kessel liefert darüber hinaus die zu Spitzenlastzeiten während eines Spiels notwendige Energie. Hierfür erhielten der FC Augsburg, die Lechwerke AG und die Stadtwerke Augsburg den zwölften KUMAS-Umweltpreis. Außerdem wurde das Stadion zu einem der 365 Orte im Land der Ideen im Jahr 2011 ernannt. 
Auf dem Gelände hinter der Stehplatztribüne „Nordwand” steht eine knapp fünf Tonnen schwere, über zwei Meter hohe Bronzestatue des Bildhauers Wolfgang Auer. Sie zeigt den gebürtigen Augsburger Helmut Haller, der einer der besten Fußballspieler der 1960er- und 1970er-Jahre war und im Oktober 2012 verstarb. Das Denkmal wurde anlässlich eines Freundschaftsspiels gegen den FC Toulouse am 1. August 2015 enthüllt.
Anlass des Besuchs und der Einladung war eine Bundesligabegegnung des fünften Spieltages gegen den SV Darmstadt 98. Etwas Brisanz lag wohl darin, dass der Trainer erst in der Sommerpause von ebenda in die Schwabenmetropole gewechselt war. Vor der Partie lag Augsburg auf dem 13. Rang der Tabelle, punktgleich und einen Platz dahinter Darmstadt. Das 30.660 Zuschauer fassende Stadion war nicht voll besetzt, was womöglich an den negativen Assoziationen gelegen haben mag, die der Name des Gegners hervorrufen könnte. Mit 28.113 Besuchern war das eher viereckige Rund jedoch ganz ordentlich gefüllt. Die Mannschaftsaufstellung der zusammengekauften Söldnertruppe des FC Augsburg stimmte Manchen etwas nachdenklich: Im Tor stand ein Schweizer, die Abwehr bildeten zwei Niederländer, ein Österreicher sowie ein Grieche, in der Offensive tummelten sich zwei Südkoreaner, ein Isländer und ein Spieler, der außer der argentinischen Staatsbürgerschaft auch die von Paraguay inne hat, im Mittelfeld präsentierten sich ein Serbe sowie der einzige Deutsche, nämlich Daniel Baier, der aus der Jugend des TSV 1860 München kommt, dort Profi wurde, 107 Punktspiele für die Löwen absolvierte und danach über den VfL Wolfsburg beim FCA landete, für den er jetzt schon mehrere Jahre seine Knochen hinhält.
Eine Bundesligabegegnung kann eine unterhaltsame Angelegenheit sein. Das ganze Drumherum mit den vielen Fotografen, Kameramännern und Fernsehleuten, die Rasenpfleger, Ordner, Balljungen- und -mädchen, das begleitende Programm sowie die Gesänge, Choreografien und Schlachtrufe der Fangruppierungen oder die Aahs und Oohs aus zehntausenden von Kehlen machen solch eine Veranstaltung zum kurzweiligen Vergnügen. Wenn dann auch noch, wie in diesem Fall, Tempo, viele Nickeligkeiten und Fouls, ein ständiges Hin und Her auf dem Spielfeld, ein Platzverweis und - das ist das Salz in der Suppe eines jeden Fußballspiels - auch noch ein Tor fällt, kann sich keiner beschweren, außer vielleicht ein schlechter Verlierer, der womöglich ein ödes und torloses 0:0 bevorzugt hätte. Den Treffer des Tages erzielte übrigens Alfred Finnbogason nach einer Vorlage von Ja-Cheol Koo kurz nach der Halbzeitpause per Kopf.
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Donnerstag, 22. September 2016

Zum Herbstanfang

...eine Herbstanemone.

Mittwoch, 21. September 2016

Sonnenblümchen

„Ein Garten ohne Sonnenblumen geht gar nicht. Der imposante Wuchs, die Schönheit, die Knabberei und das quirlige Gefieder, das sich gerne auf ihnen niederlässt, müssen sein. Oft wachsen sie von selbst, oft aber auch nicht”, schrieb Nervenruh hier an dieser Stelle am 25. Mai. Nun, wo sich der Sommer dem Ende zuneigt, ein kurzes Fazit. 
Ein paar Sonnenblumen wuchsen tatsächlich von selbst, ein paar wurden vorgezogen und dann auf das Beet gesetzt und ein paar blieben da, wo sie waren: in einer Schale mit kleinen Kästchen, gerade mal fünf auf fünf Zentimeter im Quadrat. Diese Exemplare sollten eigentlich in einen anderen Garten umgesiedelt werden, doch dazu kam es nicht. 
Während nun auf dem Beet weitverzweigte, schätzungsweise drei Meter hohe Giganten gen Himmel wuchsen, gerieten die Setzlinge in Vergessenheit. So standen sie monatelang unbeachtet herum und wurden weder gepflegt noch gegossen. Sie leben trotzdem noch. Auf dünnen Stängeln mit vertrockneten Blättern haben sich Blüten gebildet - kleine Sonnenblümchen.